Abschlussfeier im VHS-Kurs Halunder
Zwar sprechen alle Helgoländer Hochdeutsch, doch haben sie zusätzlich auch eine eigene Sprache, Halunder, auch Helgoländisch genannt, die jedoch von immer weniger Menschen in der Region gesprochen wird. Doch es wäre viel zu schade, wenn Wörter wie „Skiirskott“ für Libelle oder „Karfink“ für Spatz aussterben würden. Aus diesem Grund nehmen viele Kinder und Erwachsene an Kursen teil, nicht nur aus der Region, sondern auch als Reisende im Urlaub. Schon immer hatte ich ein Herz für mein Helgoland, diese kleine aber feine Insel im Norden von Deutschland, die ihren ganz eigenen Charme hat, und nahm daher schon vor langer Zeit mehrmals pro Woche hinter einer geschlossenen Holzjalousie an dem zweistündigen Kurs teil, um anschließend natürlich auch Spaß auf der Abschlussfeier zu haben. Ich lernte Vokabeln, versuchte zu sprechen und hörte mir die gesprochenen Sätze anschließend am Strand per Walkman an, um sie mir besser einprägen zu können.
Man könnte auch fragen, warum man als Tourist Halunder lernen sollte. Aber wer mit gebürtigen Helgoländern in Kontakt tritt und ihre Sprache spricht, wird sich über die überraschten Gesichter sehr amüsieren können. Außerdem hilft das Halunder auch die Geschichte der eigenen, deutschen Sprache besser kennenzulernen. Ich freute mich damals am letzten Tag auf eine große Abschlussfeier, die für alle Kursteilnehmer stattfand und mich endlich zum 100%igen Helgoländer machte. Wir durften uns nur in Halunder unterhalten, was gar nicht einfach war. Es gab leckere Fischgerichte, Weinschorlen und Musik, die zum Tanzen einlud. Wir aßen alle viel, hatten viel Spaß und tuschelten hinter dem Faltstore auch ab und an hochdeutsch, wenn wir auf Halunder nicht weiterkamen. Nach ein paar Bier und Wein war ich dazu dann aber auch nicht mehr in der Lage und entschied mich dazu, doch wieder ganz deutsch zu sprechen. Aber der Kurs hat sich gelohnt und die Sprache begleitet mich seither durch meinen Alltag: „Grön is dat Land, rot is de Kant, witt is de Sand. Dat sünd de Farven vun’t hillige Land.“